PETER LESKE

Peter Leske, der auf dem Gebiet der Bildreportage in der DDR unbestritten zu den Spitzenfotografen zählte, war gleichzeitig einer ihrer vielseitigsten. Neben Reportagen finden sich in seinem Oeuvre Modefotos und Landschaftsbilder ebenso, wie Serien unterschiedlicher Sujets im eigenen Auftrag. Und immer wieder, wie magisch von ihnen angezogen, fotografierte er Frauen: Porträts, Akte, Schwangere und Geburten. Daneben publizierte Leske zahlreiche Artikel über Fotografenkollegen sowie zu Problemen des Bildjournalismus, hielt Vorträge und war als Juror tätig. Kurz, er stellte unter Beweis, dass er sich mit dem Wort eben so sicher auszudrücken vermochte, wie mit der Kamera.

Über neunzig Prozent seiner Ausstellungsbilder habe er innerhalb journalistischer Aufträge erarbeitet und das mache ihn stolz, so Leske. Dennoch habe er schon früh eine Haltung praktiziert, deren Credo es war, im Bildjournalismus nicht den Endzweck eigener Fotografie zu sehen. Das setzte ihn offenbar in den Stand, Fotos zu schaffen, die formbewusst den unwiederbringlichen Moment fixierten und die weit über das Aktuelle hinaus Bedeutung erlangten.

Leske verstand es als Fotograf, zurückzutreten und es den prosaischen Bildobjekten zu überlassen, von Befindlichkeiten, Verhältnissen und Situationen zu erzählen. Alles scheint dem Betrachter vertraut und doch irritierend anders. Genauer vielleicht. Die Stille in Leskes Bildern hat oft eine beunruhigende Dimension. Alles erscheint präzise abgewogen und nach eingehender Betrachtung als scheinbar Beiläufiges ins Bild gesetzt. Zeit erscheint angehalten, verwandelt und doch dokumentiert. Dabei richtet sich die Konzentration weniger auf die festzumachende Botschaft, als auf das nicht Sagbare. Es ist die Suche nach Bildern, die der Wahrheit am nächsten kommen. Er hält dabei den Respekt vor den Dingen, die Neugier auf Menschen, deren Würde, das Nebeneinander von Glück und Beklemmung, für den entscheidenden Maßstab, um zu wahrhaftigen Bildern zu kommen. Solche Fotografien lassen sich weder vereinnahmen, noch sind sie tauglich für vordergründige Propagandazwecke, unabhängig davon, ob sie in der DDR gedruckt wurden oder nicht. Die unzähligen, im Auftrag entstandenen Bilder aus Arbeits- und Lebenswelten, untergraben den offiziellen parteilichen Blick sicherlich nicht dringend, aber sie sind zu eigensinnig und sensibel, zu genau auf Zwischentöne abgestimmt, um sich der Sprache der Macht bedingungslos zuordnen zu lassen.

Es ist nicht das große Unglück, die absolute Depression und Ausweglosigkeit, die auf Leskes Fotos ihre Spuren hinterlassen. Die Destabilisierung, Destruktion als Reflexion auf einen Staat in Auflösung ist Leskes Bestreben nicht. Seine Bilder voller Ironie mit teilweise surrealer Tendenz schafften jedoch eine Melancholie, die nicht nur seine Geisteshaltung ausdrückt, sondern auch das Lebensgefühl des gelernten DDR-Bürgers widerspiegelt. Er zeichnet die sanften Grautöne, die heute wieder geschätzt sind, um eine differenzierte Geschichtsbetrachtung zu ermöglichen.

Dabei ist sich Leske in der Rückbesinnung seiner herausgehobenen Stellung als Illustriertenfotograf des auflagestärksten Magazins bewusst, wenn er sagt: „Wir waren die Fettaugen auf der Wassersuppe der DDR.“. Er wusste, seine Möglichkeiten zu nutzen. Entstanden sind Bilder von bleibendem Wert, die noch heute beim Betrachten Genuss bereiten. Sein autarkes Werk ist nicht nur Pressefotografie vom Feinsten, es verdient seinen Platz als wertvoller Beitrag zur Kunst- und Kulturgeschichte der DDR.

Peter Leske, in die Jahre gekommen, ist noch immer ein Getriebener, auch wenn er zunehmend die Kamera gegen Zeichenstift und Pinsel eintauscht. Respekt!

Beitrag : Petra Hornung, Fotogalerie Friedrichshain, Brennpunkt 4/2012/ gekürzt, redaktionell bearbeitet

PETER LESKE – VITA

  • geboren in Königsberg/Ostpreußen 1937
  • Werkzeugmacherlehre in Gotha und Abitur in Jena
  • 1956 bis 1960 Studium der Journalistik an der Leipziger Karl-Marx-Universität mit Diplomabschluss
  • Bildreporter bei der Agentur Zentralbild/ADN in Berlin
  • von 1963 bis 1992 Fotograf im Berliner Verlag für die Illustrierten „FÜR DICH“, „NBI“ und beim „extraMagazin“ der Gruner + Jahr Verlag GmbH & Co.. Fotoserien berichten aus Japan, Äthiopien, Italien, Kuwait und den Ostblockstaaten. Reportagen über den DDR-Alltag,wie über den legendären NARVA - Karneval in Berlin, entstehen
  • zahlreiche Autorenausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen
  • Lehrauftrag für Illustrierten-Fotografie an der Sektion Journalistik der KMU in Leipzig von 1980 bis 1990
  • von 1992 bis 1997 Lehrbeauftragter für Fotografie bei der Ausbildung von Studenten der Kunstpädagogik an Berliner Hochschulen
  • seit den 70er Jahren intensive Beschäftigung mit Zeichnung, seit den 90er Jahren auch mit Malerei
  • eine Fotoserie über „Hiddensee“ entsteht
  • ab 1996 Arbeit am Ausstellungsprojekt „Jahresringe. Lebenslinien.“, das Aktdarstellung mit Landschaftsbildern vereint
  • seit 2010 Arbeit am Projekt „Babel“, einer umfangreichen Serie mehrteiliger Frauenporträts in SchwarzWeiß
  • Fortsetzung der Arbeit am „Malbuch eines Fotografen“
  • 2012 Gestaltung des künstlerischen Objektes „HerzRasen“ für den Park der Liebe in Lubniewice, Polen
  • 2017 erste Übermalungen eigener SchwarzWeiß-Fotos Sichtung des fotografischen Bildarchivs
  • Sichtung des fotografischen Bildarchivs
  • Peter Leske lebt und arbeitet in Schöneiche bei Berlin und ist Mitglied der Ateliergemeinschaft Falkensee in Woltersdorf


Leske Vita

Foto: Günter Bersch

BETRACHTUNGEN ZUR FOTOGRAFIE

Die Fotografie scheint sich heute selbst zu vernichten. Sie hat gegenwärtig, Dank der Nutzung neuester technischer Entwicklungen, den höchsten Grad an Unglaubwürdigkeit erlangt. In Fotografien lässt sich mittlerweile einfacher und perfekter lügen, als in Politikerreden. Die bizarre Aura unwirklicher Wirklichkeiten in den manipulierten und somit eigentlich nicht mehr fotografischen Bildern, hat mitunter durchaus verführerische Wirkungen. Man muss diese Ergebnisse lediglich als Bilder erleben, nicht als Fotografien, vorausgesetzt, sie geben sich als fotografische Surrogate zu erkennen.

Neben wenigen Fotografen, die nicht nur ein formales, sondern vor allem ein inhaltliches Anliegen treibt und deren Arbeiten durch die Ernsthaftigkeit ihrer Sujetbehandlung überzeugen, gibt es landauf, landab, in Ost und in West, einen nicht zu übersehenden Hang zu Oberflächlichkeit, Effekthascherei, zur Scharlatanerie. Ausbildungsstätten und Galerien sind daran nicht unschuldig. In allen Kunstrichtungen ist das Gigantieren minimalster Einfälle seit langem Methode geworden, bei unbekannten wie bei etablierten Fotografen gleichermaßen. Doch die Sprache, derer sich viele bedienen, entbehrt der Eindringlichkeit: sie ist nur laut und schrill und ihre Substanz wirkt läppisch. Die genialischen Gesten bleiben hohl. Viele wähnen sich im Farbenrausch, das Resultat indes ist Grau, darunter hin und wider auch ein achtbares. Einiges wird überdies noch auf den Kopf gestellt, doch weder die Kunst noch die Welt sind davon besser geworden. Das sollte uns in diesen Zeiten nicht verwundern, zieht man den gesellschaftlichen Kontext mit heran, in dem die Arbeiten entstehen. Gewollt oder ungewollt sind sie ein Reflex auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in unserem Staat, auf Wertewandel, auf Demokratiegegaukel und zunehmenden Sozialabbau.

Auch die unerfreulichen globalen Probleme fließen mit ein. Man muss sich letzten Endes damit abfinden, weil es auch eine Frage der künstlerischen Meisterschaft ist, dass das Unbehagen eines Künstlers gegenüber der Gesellschaft nicht stets und folgerichtig auch eine unbehagliche Kunst hervorbringen kann. Unbehaglich in dem Sinne, dass sie nicht als Unverbindlichkeit und Belanglosigkeit daher kommt, sondern neben dem Feiern von Glücksmomenten uns allen auch den schonungslosen Spiegel der Kritik vorhält; und ich meine natürlich auch alle Nuancen, die zwischen den Polen liegen.

Bei der Fotografie, aber natürlich nicht nur bei ihr, kommt offensichtlich noch ein sportives Moment hinzu: Bildautoren, Ausstellungsmacher und Galeristen, sowie Kunstwissenschaftler und Kulturjournalisten vereinen sich zu konzentrierten Aktionen, um gesichertes Mittelmaß hochzujubeln, es als Nonplusultra zu offerieren. Hier werden Machtmittel erprobt, hier soll der Grad der Einflussnahme auf die Öffentlichkeit ausgetestet werden. Und es scheinen marktstrategische Aspekte dabei zu obwalten: Sage mir, wer dein Sponsor ist, und ich sage dir, welche Kritik du bekommst. So gesehen, stehen Kunst und Gesellschaft in engstem Kontakt.

Die vorstehend formulierten Gedanken sind die lückenhaften und sehr subjektiven Ansichten eines interessierten Zeitgenossen und Kunstbetrachters. Das Machen von Kunst, auch deren Genuss, sind bekanntermaßen subjektive Vorgänge. Eine Reflexion darüber kann nicht anders sein; frei nach dem Kritikergrundsatz, dass nicht der, der etwas besser weiß, es auch priori besser machen könnte.

Peter Leske, 2005

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